Hallo Dieter,
Ich muss sagen
ich war schwer beeindruckt von Deiner Webseite zum Thema BriefmarkenTAUSCHEN.
Ich möchte Dir
dazu eine Anekdote erzählen:
Mein
Leben als Briefmarkensammler:
Ich sammle
Briefmarken seit meinem 12. Lebensjahr in Intervallen; sprich vom 12. bis zum
17. Lebensjahr alles aus Deutschland gestempelt und ungestempelt auf Basis der
Sammlung meines Opas. Nie etwas gekauft.
Vom 23. bis zum
29. Lebensjahr habe ich meine Ursprungssammlung nach Qualität durchforstet,
sprich Marken mit Rissen aussortiert, etc. Sowie mit dem Gebiet USA
angefangen, da ich hier für einige Jahre lebte. Nie etwas gekauft.
Vom 40.
Lebensjahr bis heute (sprich 3 Jahre) ist meine Sammelleidenschaft durch e-bay
wieder erwacht. Zuerst mit der komplett neuen Thematik Piratenmarken,
die, so glaube ich sonst keiner sammelt. Dann mit dem Gebiet Curacao und
den Niederländischen Antillen, von woher meine Frau stammt.
Seit ca. 1 Jahr
habe ich mich sehr spezialisiert. Dazu komme ich aber später.
Die
Tauschtagepisode:
Ich dachte mir
also ich müsste mich wieder unters Volk mischen und habe einen lokalen
Briefmarkentreff besucht.
Doppeltes
Material hatte ich ja jetzt en masse durch e-bay.
Hier habe ich
folgende Aussagen zu meinem Ansinnen des Briefmarkentauschs erhalten:
"Nein, nein
ich sammle nichts mehr"
Ein anderer:
"Hab' schon alles"
Ein dritter:
"Jetzt haben Sie mich auf dem linken Fuß erwischt, ich bin Händler"
Und schließlich:
"Was Sie suchen gibt's bei uns nicht"
Zu den ersten
beiden Aussagen habe ich mich klammheimlich schon gefragt wieso diese Herren
überhaupt an "Tauschtreffs" teilnehmen.
Zu letzterer
Aussage erhielt ich den Tipp zu einer größeren Gemeinde am Tauschabend zu
gehen.
Gesagt, getan!
Kaum drei Tage später,
ausgestattet mit einem Koffer und einer Auswahl meiner doppelten Marken,
Briefmarkenkatalog und Pinzette schlug ich hier auf.
An diesem
"Tauschabend" waren schon 1/2 Std. vor Beginn 1/3 des Saales mit Händlern
besetzt, die ihre "Leckerlies" zur Schau stellten.
Wiederum zu
meinem Ansinnen des Briefmarkentauschs erhielt ich folgende Antworten:
"Briefmarken
tauschen wird schwierig. Da müssten Sie schon jemand finden, der genau
das sucht was Sie haben und umgekehrt."
Aber das ist doch
der ganze Spaß am Sammeln habe ich mir klammheimlich gedacht.
Nichts desto trotz
gab es einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Der Vorstandsvorsitzende des
Clubs verkündete lautstark von dem bevorstehenden Großtauschtag in zwei
Tagen, sprich gestern, ganz in der Nähe.
Ich also dem
entsprechend geplant. Sonntag in aller Herrgottsfrühe mit zwei Koffern
und zwei Kartons doppelte Briefmarken, Belege, Kataloge, etc. zum 50 km
entfernten Groß"tauschtag".
Hier war ca. 90%
des gesamten Saales von Händlern belegt. Ich dachte mir aber, dass die
"Tauscher" später kommen. Weit gefehlt.
Eine sehr nette
ältere Dame sprach mich an was ich denn sammle. Sie bot mir einige
Marken an, jedoch nur zum Kauf. Ich lehnte dankend ab.
Nach Rücksprache
mit dem Schirmherrn des Großtauschtags erklärte ich ihm mein Problem.
Ich berichtete
ihm davon einen TAUSCHtag zu suchen und erklärte, dass ich mich gut erinnern
würde Ende der Achtziger noch wirklich getauscht zu haben. Oder war das
nur meine verklärte Erinnerung?
Der sehr nette
Herr erwiderte fast schon entschuldigend, dass der Name GroßTAUSCHtag tatsächlich
etwas irreführend sei, denn tauschen tut heutzutage keiner mehr.
Aufgrund gesetzgeberischer Vorschriften sei die Namensgebung
"Tauschtag" jedoch notwendig.
ARMES
BRIEFMARKENDEUTSCHLAND!!!
Geknickt, aber
nicht geschlagen fuhr ich wieder nach Hause. Wenigstens hatte ich so
noch einen wunderschönen Sonntag mit meiner Familie vor mir, da ich schon um
10:30 wieder zu Hause war.
Einige Stunden später
wurde mir daher auch klar warum ich wenn ich andere Bieter bei e-bay anschrieb
ob sie Interesse hätten zu tauschen, nie auch nur den Anstand einer Antwort
erhielt.
Ganz anders wie
in den USA, wo ich durch e-bay schon einige gute Tauschkontakte erfahren habe
und viele seltene Marken ohne Geldtransfer erhalten habe.
Mein
Ansinnen:
Ich find' es ganz
toll, dass jemand wie Du es wagt sich mit den Doktrinen der Briefmarkenclubs
(bzw. der Händlergenossenschaft) anzulegen und diese in Frage zu stellen.
Ich stehe ein für
den ursprünglichen Geist des Sammelns:
1) Höchstwerte
zu kaufen sehe ich ein und das muss es auch geben.
2) Aber der Geist
des Sammelns ist doch der Tausch.
3) Wieso
bedarfsgestempelt auf solch ein hohes Podest?
4) Frankaturgerecht
sagt noch nichts über den Beleg aus. Und selbst wenn er wirklich echt
gelaufen ist. Welche Historie gibt es zu dem Brief? Viele überfrankierte
und auch "gemachte" Belege haben mehr Historie als solche "frankaturgerechten".
(siehe frühe Flugpost).
5) Eine Sammlung
muss leben! Sie muss sich immer neu erfinden!
6) Briefstücke
können mitunter viel interessanter sein als ein Beleg.
=> verborgene Aussage über deren geschichtlichen Hintergrund
(Feldpostpaketstücke mit dem Stempel "bei der Feldpost
eingeliefert"). Diese Stücke sind nicht teuer (€2-3), aber
unheimlich schwer zu bekommen.
=> ein Sonderstempel auf einem Briefstück ist für mich
ein Objekt eines Künstlers (insofern er die Marke lediglich berührt).
Oft ist er das Gegenstück zur Marke. Ergänzt deren Geschichte.
Viele dieser Stempel sind ein Kunstwerk in sich.
Meine
Sammelgebiete:
Wie oben erwähnt
habe ich mich seit ca. 1 Jahr spezialisiert
DR 1933-1945
nur Sonderstempel auf Briefstücken (keine Belege)
Paketstücke
mit Marke der Feldpost mit dem Stempel: "Bei der Feldpost
eingeliefert"
Feldpostmarken und deren Vignetten postfrisch
Nicht-Feldpost
Briefmarken (auch ausländische) mit einem Feldpoststempel auf Briefstücken
Postfrische
Marken aus der Weimarer Republik und Bayern
USA postfrisch
und gestempelt
Curacao und
Niederländische Antillen wenige postfrische
Curacao und
Niederländische Antillenmarken mit dem Stempel der Insel SABA (extrem rar,
aber wiederum durchaus u.U. nicht teuer)
Piratenmarken
und -belege (fehlen nur noch wenige)
Alle meine
bedarfsgestempelten Marken von 1849 Bayern über Thurn & Taxis,
Kaiserreich, Weimarer Republik, DR, Zonen, Berlin, BRD vertausche ich.
Ich habe zudem noch eine Menge Briefstücke des DR, FDCs, sowie viele
doppelte US Marken, Curacao und die Niederländischen Antillen.
So, ich hoffe
ich habe nicht zu viel geschrieben, aber Deine Webseite und Dein Einsatz für
den Geist des Sammelns haben's mir angetan.
Schönen Gruß
aus Bayern,
Ernst Obermaier